Dem Pepi sein Gwirks mit dem lieben Gott

Wie der Pepi die Maria hat spielen müssen

Jedes Jahr hat der Advent gegen Ende November völlig überraschend angefangen. Da ist dann die religiöse Schwester zuerst nervös und dann ganz feierlich geworden. Und wenn sie da nach Weihrauch gerochen hat und dann auch noch gesagt hat: „Kinder, wir machen jetzt….!“, da haben die Kinder von der 3. Klasse gleich gewußt, daß sie wieder dran waren.

Dieses Mal hat sie gesagt: „Also, Kinder, wir machen ein Krippenspiel!“

Aha! Ums Krippenspiel ist es also gegangen! Aber trotzdem haben sich die meisten vom Pepi seiner Klasse gefreut, weil grad in seiner Klasse ganz viele Kasperln drinnen gewesen sind. Und die haben sich gleich um die Rollen gerissen, obwohl sich die meisten nicht einmal ein Gedicht merken oder es gar aufsagen haben können. Weil die Schwester aber nicht Deutsch, sondern nur Religion gehabt hat, hat sie das nicht gewußt und hat gleich mit dem Rollenverteilen angefangen: „So liebe Kinder, wer möchte die Hirten spielen?“

„Ich! Ich! Ich!“ haben die Kinder durcheinandergeschrien. Alle 23 haben gleichzeitig  aufgezeigt, aber nur deshalb, weil sie nicht gewußt haben, daß es nur 3 Hirten gibt. Sonst hätten wahrscheinlich nur fünfzehn aufgezeigt.

Dann ist der Ochs und der Esel drangekommen. Da haben gleich viel weniger aufgezeigt, obwohls davon in der Klasse genug gegeben hätte. Der Pepi hat überall fleißig aufgezeigt, aber die Schwester hat ihn immer übersehn. Beim letzten Hirten hat die Schwester sogar gesagt: „Pepi, das kannst du nicht!“ Und der Maxl, der den ersten Hirten derglengt ghabt hat, hat laut gemotschgert: „Na, da is der Pepi z´blöd dazu!“ Da haben wieder alle furchtbar glacht.

Dann war der Erzengel dran und zum Schluß der Josef und die Maria.

Für den Josef hat die Frau Religion gleich wen gehabt, obwohl der Pepi noch immer aufgezeigt hat. Aber dann, wie´s um die Maria gegangen ist, hat die heilige Schwester bemerkt, daß sie für die Maria keine Mädchen mehr hat, weil sie nämlich für den 3. Hirten irrtümlich die depperte Karoline genommen hat. Wie sie da draufkommen ist, hat sie den lieben Gott inständig um sofortige Erleuchtung angefleht, weil sie nämlich pädagogisch angstanden ist. Bisher hat sie nämlich immer drauf vertraut, daß ihr schon noch was einfallt. Sonst hat ihr der liebe Gott noch immer eine Eingebung geschickt. Deshalb hat sie auch noch nie eine Vorbe-reitung machen müssen, weil ja dem lieben Gott zum Glück noch immer was eingfallen ist.

Dummerweise hat sich die Clara um den Hirten gerissen, weil sie auf keinen Fall die Maria hat spielen wolln. So ist der heiligen Schwester für die Maria nur mehr der Pepi übrigblieben. Aber weil der Pepi nicht blöd war, hat er sich natürlich nicht gemeldet. Er hat sich nur ganz tief geduckt, damit ihn die Schwester ja nicht erwischt. Aber leider hat sie grad das Ducken gesehen, obwohl sie sonst nie was gesehen hat.

Naja, und so ist dem Pepi nichts anderes übriggeblieben, als daß er sich freiwillig für die Maria melden hat müssen. Er wollt aber nicht und hat zur Sicherheit gleich zum Weinen angefangen, weil das bei seiner Mama auch immer geholfen hat, wenn er was nicht wollen hat. Die Schwester hat das natürlich bemerkt, daß der Pepi nicht wollen hat, aber ihr war das wurscht, weil sie als Schwester ja keine Ahnung gehabt hat, wie das ist, wenn man als Bub ein Mädchen spielen muß, weil sie ja geschlecht-lich sozusagen ein Niemandsland war. Sie hat nur gesagt, es ist eine besondere Ehre, wenn man die Maria spielen darf und er soll nicht so frauenfeindlich sein.

Das hat den Pepi ziemlich gewundert, weil er damals noch nicht gwußt hat, was die Frauen für Frauen sein können. Jetzt hat er´s zum ersten Mal gmerkt. Weil irgendwie war die Schwester ja doch noch eine Frau – aber nur irgendwie. Sie war schon fast so viel wie eine Heilige, weil sie ja zwar kein fleischliches, aber dafür ein ausgiebiges, religiöses Upgrating hinter sich ghabt hat.

Aber weil der Pepi noch keine Erfahrungen mit Frauen gehabt hat, hat ihn das auch noch nicht interessiert. Aber es hat alles nichts geholfen. Der Pepi hat die Maria machen müssen und alle habens ihn ausgelacht, weil sie froh waren, daß er und nicht sie die Maria spielen haben müssen.

Weil die Schwester ganz viel vom Theaterspielen verstanden hat, hat sie gleich einmal den Text ausgeteilt. Der war aber ziemlich kompliziert und keiner hat ihn verstanden, weil er aus Deutschland war. Aber die Schwe-ster hat trotzdem gesagt, sie müssen den Text Wort für Wort  bis zur nächsten Stunde lernen, damit sie ihn aufsagen können, hat sie gesagt.

Weil der Text aber so schwer war, hat ihn beim nächsten Mal fast keiner können. Der Pepi hat als Maria sowieso nur wenig Text gehabt. Die Schwester hat nämlich gesagt, daß die Maria knapp vor der Geburt ist und deshalb beim Pepi schon die ersten Wehen eingesetzt haben. Und außerdem war damals die Gleichberechtigung noch gar nicht erfunden, weil nur die Männer was zu sagen gehabt haben.

Bei der Szene, wo sie zum Wirt gekommen sind, weil sie keinen Platz zum Schlafen gefunden haben, hätt´ der Pepi als Maria sagen müssen:

„Ich trage ein Kind unter meinem Herzen!“, weils so im Buch drinnen-gestanden ist. Aber das hat der Pepi auf keinen Fall sagen wolln, weil die Mädchen so blöd gegrinst haben. Und weil der Maxi halblaut gsagt hat: „Pepi, laß einmal schauen!“, haben sich die Buben überhaupt nicht mehr halten können.

Erst wie die Schwester einen Brüller gemacht hat, waren alle ruhig.

Naja, und dann hat er´s halt doch irgendwie gsagt, obwohls ihn so an-zipft hat: „Ich trag ein Kind unter dem Herzen!“ Aber das hat der Schwe-ster auch wieder nicht gepaßt. Deshalb hat sie´s dann selber vorgemacht, wie´s gehört. Aber das hat erst komisch geklungen, weil die Kinder ge-wußt haben, daß die Schwester noch kein Kind unterm Herzen getragen hat. Und da hat sich der Pepi  gedacht: die wird´s schon noch lernen, wenn sie einmal schwanger wird…

Ganz arg ist es für den Pepi aber geworden, wie die medjugorisierte Schwester mitten unterm Proben ohne Vorwarnung eine dramaturgische Erleuchtung bekommen hat. Sie hat nämlich gesagt, daß die Leute vom Theater viel mehr ergriffen sind, wenn die Maria unter ihrem Gwand eine Puppe versteckt und die dann, wenns soweit ist, im Stall zur Welt bringt.  „Das wird ganz schön!“, hat die Schwester gmeint.

Da war der Pepi ganz sauer auf die Schwester. Erstens, weil er auf gar keinen Fall keine Schwangere spielen wollt und zweitens, weil er gwußt hat, daß ihn wegen der Puppengeburt alle auslachen werden. Und außer-dem hat er auch noch eine blonde Perücke aufsetzen müssen! Da hat der Pepi gstreikt und hat gsagt, das macht er nicht! Aber die Schwester hat gsagt: „So wird’s gemacht!“ Und so ist es gemacht worden.

Das Stück ist bei der Premiere komplett in die Hosen gangen. Zuerst ist dem Pepi wegen der Hitz´ die Perückn vom Kopf g´rutscht. Und bei der Geburt hat der Josef einen Lachkrampf bekommen, weil er soviel lachen hat müssen. Drauf haben sich die Hirten auch nicht mehr halten können. Der Kurtl hat wie ein Pferd gewiehert, obwohl er nur der Ochs war. Und weil die Geburt vom Jesus so witzig war, hat bald der ganze Saal mitglacht.

Seit der Zeit hat der Pepi puncto Mädchen einen geschlechtlichen Scha-den. Nicht einmal die Aufklärung in Biologie hat ihn interessiert, obwohl der Lehrer ein paar ganz supere Bilder mitghabt hat. Aber vielleicht liegts auch daran, daß die von den Bienen warn.

So ist der arme Pepi mädchenspezifisch hinten geblieben. Da, wo die anderen schon fleißig geübt haben, hat er nur Bienenbilder geschaut.

Erst mit 24 ist er zum Probieren gekommen. Aber eigentlich mehr irr-tümlich. Aber das ist eine andere Geschichte.