Wie dem Pepi der globalisierte Pfarrer eingefallen ist

Wie der Pepi das Gutachten gesehen hat, war er sehr froh, weil er gehofft hat, daß jetzt vielleicht sein religiöses Leiden zu Ende ist. Aber weil der Pepi inzwischen nicht mehr so viel Spaß verstanden hat, hat er beim Le-sen einen Fehler nach dem anderen gemacht. Und weil er so gelesen hat, wie er nicht lesen hätte dürfen, sind ihm natürlich auch seine bisherigen Erlebnisse wieder eingefallen. Die Taufe, das Krippenspiel, die Firmung, die katholischen Tropfen…. Und seine Zähne. 

Grad jetzt, wo er auf dem richtigen Weg war, daß er angefangen hat, sei-ne bisherigen Erlebnisse mit dem lieben Gott endlich zu verarbeiten. 

„Nimmt denn das nie ein End, lieber Gott!?“ hat er zu ihm händeringend hinaufgerufen. Aber der hat das wahrscheinlich nicht gehört, weil er es natürlich ganz leise gesagt hat, eher laut gedacht, so von innen heraus.  

Deshalb hat der liebe Gott auch hat kein Wort gesagt. Wieder einmal. Da hat er sich natürlich überlegt, was er machen soll, daß ihm kein Gwirks mehr mit dem lieben Gott passiert. 

Alles Mögliche ist ihm durch den Kopf gegangen, Gott und die Welt. Und da ist ihm zuerst sein Urlaub in Italien eingefallen und auch die schöne  Zeit, wo´s noch die Lire gegeben hat! Aber da hat er gleich gewußt, daß jetzt die EU ist und daß es keine Grenzen mehr gibt und daß er jetzt keine Angst mehr haben braucht, wenn er aus Italien hundert Flaschen Chianti mitbringt oder aus Slowenien 20 Stangen Tschik. 

Irgendwie nicht schlecht, wenn alle an einem Strang ziehen! Und grad, wie er an Griechenland und an Spanien gedacht hat, ist ihm wieder sein Pech eingefallen!  

Da hat er sich überlegt, ob ihm das auch bei den Evangelisten, also bei den Protestanten passiert wär? Oder bei den Mohammedanern? Und da ist ihm eingefallen, wie das wär, wenn die alle auch zusammenarbeiten könnten?

Sozusagen eine religiöse Globalisierung….. 

Es hat nicht lang gedauert, bis mir der Pepi seine Idee erzählt hat. Naja, und weil der Pepi ja mich als Freund hat, hab ich mich wieder für ihn hingesetzt und hab an einen Pfarrer und an einen Religionslehrer in Graz wieder einen Brief geschrieben:

 

Mag. Martin Lienhart

Pfarre St. Veit

8046 GRAZ

 

Betr.: Der globalisierte Pfarrer 

Lieber Martin!  

Ich schreib Ihnen, weil ich ganz verzweifelt bin und nicht weiß, ob Sie mir mit meinem Problem weiterhelfen können. Es ist wegen meinem Neffen, dem Pepi! Ich weiß nämlich nicht mehr, was ich machen soll! Und der Pepi, der steigt nicht und nicht von seiner Idee hinunter! 

Ich mein, ich hab in meinem ganzen Leben ganz viel und fleißig gearbei-tet und hab mir nie etwas zuschulden kommen lassen. Und der Pepi auch! Dabei hat ers ein bißerl schwer gehabt mit dem lieben Gott, weil er das Gefühl hat, daß ihn der seit der Kindheit irgendwie verfolgt! Und jetzt will er auf einmal Pfarrer werden, weil er nämlich sagt, daß ihm dann nix mehr passieren kann! Er will aber kein normaler sein, nein, er bildet sich ein, er wird ein ganz ein moderner Pfarrer werden! Nämlich ein globali-sierter! Er sagt, nur so einer hat in Zukunft eine Zukunft! Ich glaub, das viele Ministrieren hat ihm nicht gut getan! 

Er sagt nämlich, jetzt, wo sich auf der ganzen Welt alle zusammenschlie-ßen, da kann die Kirche nicht hintenbleiben. Und zu mir sagt er immer: „Onkel, du bist rückständig! So ein ökumenischer Pfarrer, das ist mein Traum! Du mußt dir nur das vorstellen: das ist dann ungefähr so wie das „Shopping Center“ in Seiersberg! Dort gibt´s auch die unterschiedlich-sten Modegschäftln und alle leben friedlich zusammen! 

Genauso müßerts auch in der globalisierten Kirche laufen! Die wolln ja eigentlich alle das gleiche, nämlich was verdienen, aber vertragen tun sich die nicht! Das wär doch die Gelegenheit, daß endlich alle friedlich miteinander zusammenleben könnten! Außerdem könnt sich die Kirchn einen Haufen Geld dersparn, weil man dann nur mehr eine einzige Kir-che bauen müßert!  Jede Kirche kriegert dort ihr nämlich  ihren eigenen Wandteil. Das wär dann so ähnlich wie in einem religiösen Supermarkt!“

Das wär nicht nur ökumenisch, sondern auch ökonomisch! 

Ich will ihm die Idee natürlich ausreden, aber er sagt dann immer, ich soll das nicht so eng sehen! Es ist Zeit, daß man mit der Zeit geht! Und des-halb will er unbedingt zuerst ein katholischer, dann islamischer und dann noch Pfarrer für die „Zeugen Jehovas“ werden. Und wenns ihm zeitlich ausgeht, könnt er auch noch auf  buddhistisch studiern. Da wär er dann für alle zuständig und alle müßerten zu ihm beichten kommen. Er hätt´ dann so etwas wie einen religiösen Großbetrieb und das tät ihm sicher was bringen! Weil er sagt, er müßert schon ein bißerl auf sich schaun! Ja, und außerdem wärn die Nachwuchssorgen für die Kirchn dann auch ein für allemal vorbei! Das sind nur Vorteile! 

Ich sag aber dann aber immer, daß man nur Pfarrer für katholisch sein kann und sonst nix. Aber er sagt dann, was mir auffallt, wenn man über Slowenien, Kroatien und Mazedonien nach Griechenland fahrt. Da hat man dann so ein Gefühl, als ob man in einer „religiösen EU“ wär´!

Die haben zwar alle verschiedene Sprachen und Regierungen, aber alle wolln das gleiche! Und in der Kirchn ist es ganz gleich, sagt er, der Pepi!  

Ja, er sagt sogar, er hat gehört, daß es da schon einen Schulversuch gibt! 

Jetzt weiß ich nicht, wie ich das meinem Neffen ausreden soll. Oder ist das wirklich wahr, daß Ihr heute schon so eine Ausbildung habts, wo man Pfarrer für alles werden kann? 

Ich bitte ganz schnell um eine dringende Antwort, ich weiß mir nicht mehr zu helfen!  

 

Ganz herzliche Grüße aus dem „Wilden Westen“ der Steiermark! 

P.S.: Letztens, wie wir in der Buschenschank in Greisdorf gesessen sind, hat der Pepi nach der dritten Schilchermischung gmeint, so ein „Wudu“ – Priester tät ihn auch noch intressiern!