Bundeskanzler

23. Jänner 2007

Herrn
Bundeskanzler
Dr. Alfred Gusenbauer
Parlament
1010 WIEN

Betr.: Nachhilfestunde

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!

Zuerst darf ich Ihnen alles Gute und viel Glück für Ihr neues Amt wünschen.
So lange haben Sie darauf hingearbeitet und endlich sind Sie´s geworden!

Ich schreib Ihnen, weil mich mein Enkerl so nervt, seit sie erfahren hat, daß Sie Nachhilfe geben. Sie tut sich nämlich in Deutsch etwas schwer. Von ihrer Mutter laßt sie sich nicht gerne helfen, weil die immer alles besser weiß. Und jetzt will sie auf einmal, daß Sie nach Bad Gams in die Volksschule kommen und ihr kostenlos Nachhilfe geben.
Ich glaube, daß es keine Probleme gibt, weil in Bad Gams eh ein Parteikollege von Ihnen Bürgermeister ist. Bringens aber bitte keine Reporter mit, weil die Mädchen sich womöglich schrecken, wenn so wildfremde Menschen auftauchen und umeinanderblitzen. Außerdem soll ja auch nicht gleich jeder in Österreich wissen, daß mein Enkerl in Deutsch ein bißerl schwach ist!
Sie haben so locker im Fernsehen erklärt, daß sie jede Woche in der Volksschule Nachhilfe geben wolln, als ob das nix Besonderes ist. Ich glaub´, da haben Sie vielleicht ein bißerl zu wenig nachgedacht, wie Sie das gesagt haben, weil die Lehrer sind jetzt wegen Ihnen eingschnappt. Die glauben nämlich, daß Sie glauben, daß jeder x - beliebiger Politiker glaubt, daß das Unterrichten ein Lapperl ist und das sowieso jeder kann.
Deshalb darf ich Sie eindringlich bitten, daß Sie vorher bei mir eine Probenachhilfestunde geben. Es gibt nämlich nicht nur schlechte Politiker, sondern auch viele schlechte Lehrer. Da meine ich aber nicht die Volksschullehrer, sondern die von der Mittelschule. Die bekommen nämlich in der Universität aber schon gar keine didaktisch-pädagogische Ausbildung! Und von einer praxisbezogenen Unterrichtsweise haben die soviel wie keine Ahnung! Ich weiß das, weil ich nicht nur an der Uni, sondern selber viele Jahre in der Pädagogischen Akademie unterrichtet habe. Und wenn Sie sagen, sie geben einfach Nachhilfeunterricht, dann möchte ich mir vorher das anschauen, wie Sie das überhaupt machen, bevor Sie das bei meinem Enkerl ausprobieren. Unterrichten ist nämlich nicht so leicht wie Regieren, da muß man nämlich was können! Weil ich sag ja auch nicht, daß ich einmal im Monat für Sie Bundeskanzler spielen will. Da könnt´ ja jeder daherkommen, ohne daß er das glernt hat …. - obwohl ich mir das schon zutrauen würde, weil ich kenn´ viele Politiker, die sind plötzlich Politiker geworden, ohne daß sie je irgendetwas dafür lernen haben müssen! Welche fachlichen Kenntnisse bringt z.B. die neue Unterrichtsministerin mit?!

Also, bitte schreibens mir, wann Sie bei mir eine Probe - Nachhilfestunde machen wollen, damit ich vom methodisch-didaktischen Standpunkt schau,
ob Sie das überhaupt können! Vielleicht geben Sie vorher der Frau Prammer eine Nachhilfestunde im Lesen, so schlecht liest nicht einmal mein Enkerl…

Herzliche Grüße, und nichts für ungut!