Leseprobe Pepi als Politiker: Das Späßchen

Manchmal gibt es sogar für Politiker glückliche Momente. Solche sind aber selten. Manche erleben sie nie, manche müssen Jahre darauf warten. Z.B. nach einer Wahl. Aber auch nur, wenn sie für die Partei gut verlaufen ist.

Einmal war es soweit. Erste Sitzung nach dem erfolgreichen Wahl-sonntag. Und da hat sich der Pepi gedacht, daß es heute paßt, daß er sich mit den Verlierern ein kleines Späßchen erlauben kann. Und weil er auch gleich der erste Redner war, hat er es sich nicht verkneifen können, gleich vom siegreichen Wahlsonntag zu sprechen.

„Das Ergebnis der Wahl vom Sonntag - liebe Abgeordneten und Abgeordnetinnen - hat uns gezeigt, lieber Herr Landeshauptmann Max Voves…“

„Franz heißt er!“ ertönt es gelangweilt von hinten.

„..hat uns gezeigt, daß unser Landeshauptmann Max Voves..“

„Franz!“ erhebt sich plötzlich ein vielstimmiges Protestraunen. Das Publikum wird unruhig. Der LH schaut leicht verwirrt auf.

Hab ich ja gesagt, Max!“ kontert da der Pepi sofort.

„Unser Landeshauptmann heißt aber Franz!“ stellt da der Präsident deutlich fest. Der LH nickt zustimmend.

Und was hab ich gsagt?“ stellt sich der Pepi ahnungslos.

„Max hast gsagt!“

„Ich? Warum soll ich Max sagen, wenn er Franz heißt?“ zeigt sich da der Pepi verwundert und kann das Schmunzeln fast nicht mehr zurückhalten.

„Weil´st es gesagt hast!“ brüllt auf einmal der Leobner Abgeordnete mit seinem roten Schädel heraus. Das Publikum lacht zum ersten Mal.

Ich werd´ doch nicht Max zum Landeshauptmann sagen, wo ich ganz genau weiß, daß der Max Franz heißt!“ empört sich drauf der Pepi künstlich. Der LH memoriert zur Sicherheit seine ihm bekannten Vornamen.

„Max Voves hast gsagt!“

Ich hab nie Max Voves gesagt, das hast jetzt du gsagt!“ keppelt da der Pepi deutlich erregt zurück, weil er weiß, daß er ein Opfer gefunden hat und damit wieder besser dasteht.

Weiblicher Zwischenruf aus der grünen Ecke: „Also ich kann das verstehen, wenn wer zum Franz Max sagt! Beim Voves weiß man ja nie, wie man dran ist!“ Der Herr LH schaut ziemlich mißmutig drein.

Schadenfrohes Gelächter aus der schwarzen Gegend. Ratlose Unsicher-heit aus dem roten Bereich.

„Wegen der Reformpartnerschaft hab ich sogar gehört, daß der Vovi neuerdings Hermann heißen soll – und der Schützi Franz!“ wirft da ein blauer Mandatar halblaut ein, damit die Diskussion nicht einschlaft.

„Franz Schützenhofer! Hahaha!!! Das ist guat“ hat sich die kommu-nistische Weitalerin nicht mehr zurückhalten können. Das Publikum applaudiert.

Weil jetzt der Zeitpunkt erreicht war, wo die Landtagsdiskussion - wie schon so oft –unfreiwillig  kabarettistische Züge annimmt, rafft sich der Präsident zu einem Ordnungsruf auf:

 „Herr Abgeordneter!“ und damit hat er den Pepi gemeint, „ich ermahne sie und rufe sie zur Ordnung!“ bringt sich der Präsident wieder ins Spiel, um ausufernden Zwischenrufe zu beenden.

Aber da ist er beim Pepi an den Falschen gekommen. „Wieso mich? Ich hab ja gar nichts gesagt!“ hat sich der Spitzbub merkbar künstlich aufgeregt.

„Sie waren das doch mit dem Max Voves?“ fragt da der Präsident vorsichtig nach, weil er vorher nicht genau zugehört hat, weil ihm seine Frau nämlich grad eine SMS geschickt hat, daß er ja nicht vergißt, eine Butter und 10 Eier nach Hause zu bringen.

Aber der Voves heißt doch Franz, Herr Präsident!“ klärt ihn da der Pepi auf. Der Herr LH beginnt langsam zu kochen.

„Genau, Herr Abgeordneter!“ bekräftigt ihn da der Präsident leicht verunsichert.

Dann versteh ich aber die Aufregung nicht! Besonders von den Grünen!“ redet  sich der Pepi verschmitzt heraus. „Verreden wird man sich ja noch dürfen – nicht, Herr Präsident?“

Zum Glück hat der Präsident aber rechtzeitig Pepi´s verschmitztes Schmunzeln bemerkt und beschließt, das Theater lieber als abgeschlossen zu betrachten, bevor ihm das Wortgeplänkel vollends entgleitet und zum Kasperltheater mutiert.